Immersiver Club geht so

Immersive • adjective
Seeming to surround the audience, player etc. so that they feel completely involved in somehing.
https://dictionary.cambridge.org/de/worterbuch/englisch/immersive

Nächste Runde:
In diesem Blogeintrag schauen wir auf ein weiteres zentrales Element der Installation: Die Säule.Bei „der Säule“ handelt es sich um ein Sechseck mit einer Höhe von 1,74m und einer Seitenlänge von 24cm. Der Fuß ist 1m hoch. Die restlichen 74cm sind in Drei bewegliche, 24x24cm große Sechsecke eingeteilt.
Jede Eben ist drehbar und auf jeder dieser Ebenen befindet sich eine einzigartige Kachel, die einem Körperteil, Kopf, Oberkörper und Bein gleichkommt.
Unser Ziel war es, das jeder Besucher seinen eigenen Tänzer an der Säule erstellt und den Abend mit ihm verbringt. Oskar Schlemmer hat in seiner Vision des Triadischen Balletts, alles in drei Elemente eingeteilt, weswegen wir ebenfalls drei Säulen haben. Diese spiegeln die drei Akte Weiß, Rosa und Schwarz wieder und sind in den gleichen Farben gehalten. Die Triaden, die an den jeweiligen Säulen ausgewählt werden können, sind wie im Original an die Farben gebunden.

© Shari Mölges

Als visuell-haptisches Element, haben wir 3D-Gedruckt Halb-Reliefs an die 18 möglichen Seiten, pro Säule, montiert. Um an die nötigen Daten der Reliefs zu kommen, wurde das „Triadische Ballett“ genau analysiert und zunächst alle Kostüme in die drei Grundfarben eingeteilt. Innerhalb jeder Farbe wurde, eine weitere Unterteilung in Kopf, Oberkörper und Beine vorgenommen. Dabei ist uns relativ schnell aufgefallen, was es heißt 51 Kacheln zu drucken und zu Modellieren. Unsere Konsequenz war es, den Detailgrad zu reduzieren und jedem Körperteil eine einzigartige Abstraktion zu verpassen, was auch den Maya Anfängern unter uns, einen leichteren Einstieg ermöglichte.  Durch den Abstraktionsgrad, konnten die Kacheln aus den drei Grundformen gestaltet werden.

© Franca Bittner

Damit die Modellierung zeitnah anfangen konnte, musste jede freie Person mit in das Modelling-Team aufgenommen und entsprechend gebrieft werden. Für einen Reibungslosen Ablauf, wurde die Modeling-Phase in 3 Rotationen eingeteilt. Jede Rotation lief immer eine Woche, von Montag bis Sonntag. Jedem Teilnehmer wurden pro Woche maximal vier Kacheln zugeteilt. Die jeweilige Anzahl hing dabei zudem von dem vorher bestimmten Schwierigkeitsgrad des jeweiligen Körperteils ab. Erfahrenere Kommilitonen bekamen deswegen die Schwierigen Modelle zugewiesen, mussten dafür aber deutlich weniger Kostüme machen.
Ursprünglich wollten wir aus effizeinzgründen parallel zum Modeling, den Druckprozess starten. Dies war jedoch schwierig, da wir so kurzfristig keine finale Entscheidung über das Druckverfahren treffen konnten. Hier hatten wir zwei Möglichkeiten: den Standard Plastik (PLA)-Druck, auf dem handelsüblichen 3D-Drucker die sehr viel Zeit in Anspruch nahm, oder die zweite, wesentlich teurere, aber dafür umso schnellere Variante mit Gipsdruck. Ein großer Pluspunkt für den Standarddruck, war die Preisliche Aspekt. Während wir beim Gipsdruck mit ca.  100€ pro Kachel rechnen konnten, kostet uns der Standard Plastikdruck nur wenige Euro.
Damit eine finale Entscheidung getroffen werden konnte, fertigen wir jeweils eine Prototypen mit Gips und PLA an, um die Modelle haptisch vergleichen zu können. Bei der Konfrontation beider Ergebnisse fiel die Wahl eindeutig auf das Gipsverfahren, welches uns vor allem auf Grund der hochwertigeren, holzartigen Haptik besonders gefallen hat.

© Sophia Schimpgen

Wir hatten dennoch im Hinterkopf, dass wir den Preis pro Kachel deutlich reduzieren mussten, um die anfallenden Kosten als studentische Produktion übernehmen zu können. Es gab zwei Ideen: 1. die Bodenplatten im Druck weglassen und 2. die Kachel aushöhlen. Dadurch konnten wir den Preis von ca. 100€ auf ungefähre 15-30€ pro Kachel reduzieren. Parallel zu den Kacheln, mussten wir uns auch Gedanken um den Drehmechanismus machen. Unser gestecktes Ziel war, die Säulen so zu konstruieren, dass auch Menschen im betrunkenen Zustand sie nicht kaputt machen können. Dementsprechend robust, aber auch simpel, musste die Konstruktion ausfallen. Es darf keine Situation entstehen in der die Säule zu Bruch geht, und wir sie auf Grund ihres komplexen Aufbaus, nicht reparieren können. Auch die Kacheln musste so angebracht werden, dass ein schneller Wechsel stattfinden kann um sie gegebenenfalls austauschen zu können.

© Torben Rumpf

Jede drehbare Ebene befindet sich auf einer statischen Achse, um die sie sich dreht. Schellen, die die Achse umschließen halten die Drehplatte, auf der sich die drehbare Ebene auf Rollen bewegt, fest. Die Reliefs sind auf eine 24x24cm Kachel geklebt und werden gemeinsam mit schrauben an der Rückwand befestigt. Dadurch wird es uns ermöglicht, sie auch im Nachhinein zu wechseln.
Nun zur Technik. Pro Säule gibt es 3x Raspberry Pi 4 die dafür gedacht sind, die getroffene Auswahl an den Unity Server mitzuteilen. Damit wir genau wissen, welche Kacheln ausgewählt sind, befindet sich hinter jedem Relief ein RFID Tag, den wir mit einem RFID-Reader auslesen. Jede einzigartige ID ist an eine Ebene und Kleidungsstück gebunden, wie Beispielsweise den Kopf des Kostüm “Taucher”.  Möchte der Besucher seine Auswahl bestätigt, kann das mit dem Button getan werden, der direkt vor dem Besucher positioniert ist. Der Button ist an einem der 3 Raspberries gebunden. Wird er gedrückt, sendet der gekoppelte Raspberry einen Impuls an den Unity-Server und damit sein GO! Die Auswahl wird verarbeitet. Gleichzeitig, parallel zum Bestätigen, ändert sich die Farbe der LED-Streifen die sich hinter den Kacheln befinden und somit die Bestätigung suggeriert. Ursprünglich war hierfür ein Soundeffekt vorgesehen, aber wegen der nun vorgesehenen Position der Säulen direkt vor dem Club, hat der Effekt für uns nur wenig Sinn ergeben.
Im Fazit kann man sagen, das die Konstruktion der Säule bisher nur wenige Probleme gemacht hat. Die eigentlichen Probleme lagen bisher nur bei der Fragen, wie die Reliefs finanziert werden würden und wer und wann welche Reliefs modelliert werden.

© Sophia Schimpgen

Im nächsten Schritt werden die Reliefs gedruckt. Parallel dazu nimmt David Waldow Kontakt zu einem Schreiner auf, der uns das benötigte Säulen-Material zurecht sägt. Das hat den angenehmen Effekt, dass wir uns nun auch auf andere Themen fokussieren können.

Bis zum nächsten Blogeintrag.
Torben

Beitrag von Torben Rumpf

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