Up_Grade für die Ohren

Auch heute noch kann man mit einem Stummfilm Oscars gewinnen, wie wir seit „The Artist“ wissen. Allerdings ist auch der Stummfilm ein nicht ausschließlich visuelles Medium. Schon als es noch keinen Tonfilm gab, spielten Kino-Organisten live zu den Vorführungen, und so wurde aus einem visuellen Medium ein audiovisuelles. Einer der Oscars für den oben genannten Stummfilm ging übrigens an die Musik.

Was hat das jetzt mit unserer Fassadenprojektion zu tun? Richtig: Ohne Ton wäre sie irgendwie unvollständig. Eine PA mit genügend Power für eine angemessene Freiluftbeschallung steht uns an der HDM zur Verfügung. Jetzt liegt es an uns, einen Soundtrack zu gestalten, der genügend „Rums“ hat, um die Anlage nicht zu unterfordern. Ganz nebenbei sollte er am besten auch noch zu den Bildern unserer Story passen und das Erlebnis der Zuschauer steigern.

Anhand des Storyboards haben wir zunächst eine Liste mit Sounds zusammengestellt, die wir voraussichtlich benötigen, und dabei auch verschiedene Ideen diskutiert. Inwieweit soll die Klangästhetik alter Computerspiele eine Rolle spielen? Klingen menschliche Schreie immer peinlich?

Abstraktes Reden über Ton ist aber eher unfruchtbar. Spannender wurde es, als wir die ersten Geräusche aufgenommen hatten. Wie klingt es beispielsweise, wenn Teile der HDM-Fassade in Bewegung geraten? Die Fassade ist hauptsächlich aus Glas und Metall. Passt also das Gegeneinanderreiben von Glas bzw. Metall? Das ergab spitze, helle Geräusche, unpassend für etwas so Großes, Mächtiges, wie das HDM-Gebäude. Zwei Blumenkästen aus Keramik klangen da schon besser. Am brauchbarsten war jedoch der große steinerne Blumentopf, der über Betonboden schleift. Dieser war übrigens zu groß, um die Aufnahmen im Inneren zu machen, sodass man immer abpassen musste, wann die zwitschernden Amseln eine Pause machten, um das nächste Schieben des Topfes aufzunehmen. Auch der Blumentopf dürfte jedoch noch eindrucksvoller klingen. Ein bisschen Verlangsamung und ein paar Effekte, schon nimmt man dem Ganzen ab, dass hier etwas wirklich Großes in Bewegung kommt.

Erste musikalische Entwürfe gibt es auch schon. Doch wie genau muss eigentlich das perfekte Intro klingen, oder wie schafft man eine Musik, die jeder sofort mit „Party“ assoziiert?

Wie gut ein Soundeffekt wirklich ist, lässt sich, wenn man ihn isoliert hört, oft schlecht beurteilen. Schließlich kommt es auf das Zusammenspiel von Bild und Ton an. Erste Test-Videos sind gerendert und vertont. Es ist verrückt, wie das eine Video mit Ton plötzlich schneller wirkt, das andere dagegen langsamer. Auf jeden Fall müssen Bild und Ton absolut synchron laufen, damit man den Tönen abnimmt, dass sie von den Ereignissen im Bild ausgelöst werden. Vor lauter Bemühen um Exaktheit vergisst man da leicht, dass ein paar verspielte Details den Ton lebendiger machen.

Fürs Erste sind wir jedoch mit Sicherheit auf einem guten Weg.

Beitrag von Ingmar Jännsch

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