Um den Besuchern ein immersives Eintauchen in die extraterrestrische Begegnung zu bieten, müssen unser Bühnenbild und die Interaktionen von einer zweiten Erzählebene ergänzt werden – dem Ton. Erst durch Sounddesign und eine passende Beschallung beginnt die außerirdische Welt zu atmen und zu leben.
Unterstützt werden wir in der Beschallung durch einen sechs Meter breiten Surround-Dom, der auf zwei Meter Höhe von der Decke hängt. Auch wenn es anfangs eine Herausforderung war, ebendiesen in unsere Kapsel-Konstruktion zu integrieren, hat es sich für die daraus resultierenden Vorteile gelohnt: Wir können bis zu zwölf Studiolautsprecher ringförmig um die Kapsel anordnen und unseren Sound rund um unsere Besucher bewegen. Die Immersion wird zudem noch von vier Subwoofern, Basslautsprechern, unterstützt. Eine aktuelle Herausforderung stellen noch Punktschallquellen dar, also Klänge, die während der Installation aus bestimmten Richtungen kommen müssen – teilweise auch aus der Mitte der Kapsel. Angedacht ist es, kompakte Lautsprecher an ausgewählten Orten im Raum zu platzieren, wenn der Audio-Dom die Schallrichtung nicht ausreichend abbilden kann.

Schaubild 1: Der Surround-Dom über unserer Kapselinnenkonstruktion.
Doch wie können wir nun unser Sounddesign auf den Lautsprechern platzieren und bewegen? Dafür haben wir seit diesem Semester die Software „SPAT Revolution“, in der wir unser Lautsprechersetup mathematisch darstellen können, um Klangquellen darin zu bewegen. Uns ist es gelungen, dieses Programm mit OSC-Daten (Open Sound Control) per TouchDesigner anzusteuern, um Sounds auf Cues abzuspielen. Sounds werden reaktiv auf die Besucher gestaltet. Nun gilt es, unsere Sounds in TouchDesigner-Programme zu integrieren, um verschiedene Formen der Reaktivität auszugestalten. Dieses Prinzip gilt vor allem für zentrale Interaktionsgegenstände.

Schaubild 2: Das Programm „SPAT Revolution“ (links) neben der DAW „Ableton Live“ (rechts).
Die Sounddesigner erstellten zahlreiche Soundmoods. Jetzt mischen wir verschiedene Klangquellen für die Wiedergabe auf dem Surround-System. Dafür nutzen wir teils die einzelnen Spuren der Soundmoods und teils neu erstellte Klänge.
Es ist uns aufgefallen, dass sich eine Mischung auf einem Surround-System anders als auf einem Stereo-Kopfhörer verhält. Es werden deutlich mehr Klänge und Spuren benötigt, um den wahrgenommenen Raum zu füllen und ein stimmiges und zusammengehöriges Endergebnis zu liefern. Wir werden nun unsere Stereo-Soundmoods in für unsere Installation brauchbare Atmosphären und Klangwelten verwandeln.
Eine weitere Ebene, die sich für uns durch die Surround-Wiedergabe ergibt, ist die Automation, also die zeitliche Bewegung der Klänge durch den wahrgenommenen Raum. Dank SPAT Revolutions intuitiv verständlicher Oberfläche und Visualisierung ist das Bewegen von Klängen erst einmal einfach. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, die Koordinaten der Klänge aus anderen Programmen (v.a. TouchDesigner) per OSC zu übermitteln und dynamisch zu verändern. Doch mit der Bewegung im dreidimensionalen Hörraum eröffnet sich uns eine weitere Ebene an Möglichkeiten zur immersiven Klanggestaltung.

Schaubild 3: Das DAW-Projekt eines Soundmoods in „Ableton Live“.
Nicht nur technisch, sondern auch kreativ stehen wir vor Herausforderungen.
Unsere Produktion „Intervowen“ lässt den Sounddesigner viel Spielraum in der Ausgestaltung. Wie klingt eine außerirdische Lebensform? Wie hört sich eine extraterrestrische Kapsel an? Welche Klangebenen gibt es? All diese Fragen stellen sich die Soundgestalter und experimentieren mit neuen Ideen zur Wandlung irdischer Klänge in außerirdische Sounds.
Es gilt nun, diese Klänge in der Surround-Mischung anzulegen und sie in ein uniformes Ergebnis zu verwandeln. Das sind die nächsten Schritte.
Ein Blogbeitrag und Bilder von Jona Preising.